Das Mittelalter

Das mittelalterliche Botenwesen (Nachrichtenuebermittlung)

Öffentliche Einrichtungen zur allgemeinen Nachrichtenübermittlung gab es im Mittelalter nicht. Wie der Kaufmann seine Waren selbst zu transportieren hatte und dabei auf die Dienste und die Hilfe der Anlieger an den Transport- und Verkehrswegen angewiesen war, so musste auch der an der Übermittlung von Nachrichten oder Dokumenten Interessierte selbst für den Transport sorgen. Über größere Entfernung konnten dies nur die Herrscherhäuser leisten; in karolingischer Zeit haben wohl die Grafen für die Übermittlung königlicher Nachrichten gesorgt. Die Herzöge und andere reichsfürstliche Obrigkeiten unterhielten eigene Boten, die zu Fuß oder zu Pferd zu den Adressaten unterwegs waren. Da die Straßen schlecht und die Geschwindigkeiten von der Leistungsfähigkeit von Mensch und Pferd abhängig waren, dauerte die Übermittlung lange. Im 13. Jh. waren Nachrichten von den Niederlanden nach Rom einen Monat unterwegs. Im kleinräumigen Verkehr, der besonders nach der Entstehung der Städte seit dem 12. und 13. Jh. an Bedeutung gewann, haben vielfach Händler, Pilger oder wandernde Scholaren Briefe mitgenommen, auch mussten Hintersassen im Scharwerk Botendienste leisten. Besonders leistungsfähig war dieses System nicht.

Ein wesentlicher Wandel in der Nachrichtenübermittlung bahnte sich im 15. Jh. an. Zwischen den Städten Mailand, Venedig und Rom wurden feste Linien eingerichtet, an denen feste Stationen (mansiones positae) mit Pferden und Reitern bestanden; diese übernahmen stafettenartig die ankommenden Sendungen zum Weitertransport an die nächste Station. Das ist die Entstehung der Postkurse. An deren Organisation war die lombardische Adelsfamilie von Taxis beteiligt. Die Taxis bauten ab 1490 im Auftrag König Maximilians I. einen Postkurs von Innsbruck nach den Niederlanden, dann auch nach Wien und über Freiburg im Breisgau nach Straßburg auf. Anfangs dienten diese Postlinien nur der Nachrichtenübermittlung des Hauses Habsburg, bald wurden jedoch auch Sendungen anderer Auftraggeber von der Taxis-Post befördert. Das bildete die Grundlage des im 16. Jh. europaweit organisierten Postnetzes der Taxis, die dafür schließlich ein Monopolrecht erhielten. Die Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung wurde durch das Stafettensystem ganz erheblich gesteigert; demgegenüber kam das im Spätmittelalter und auch noch in der frühen Neuzeit weiter bestehende landesfürstliche und städtische Botenwesen ganz ins Hintertreffen.

© 17.10.2017