Das Mittelalter

Kaiser Friedrich II. krönt sich zum König von Jerusalem

von Sabine Korsukéwitz

Im Jahr 1228 brach ein Heer militanter Christen ins Heilige Land auf - aber dieser Kreuzzug verlief etwas anders als die anderen. Denn geführt wurde das Heer von einer der schillerndsten Gestalten des Mittelalters, von Staufer-Kaiser Friedrich II. Am 18. März 1229 krönte sich Friedrich II. eigenhändig zum König von Jerusalem.

Jetzt erfahre ich mein Leben als wesentlich, da mein sündiges Auge das heilige Land erblickt und die Erde, die man so verehrend preist. Ich bin an die Stätte gekommen, da Gott in menschlicher Gestalt wandelte.

So idealisierte Walther von der Vogelweide im Palästinalied die Sehnsucht der Christenheit nach Jerusalem. Zu denen, die zu einem Kreuzzug ins Heilige Land aufbrachen, gehörte auch der Staufer-Kaiser Friedrich II.; sein Kreuzzug war aber etwas anders als die anderen...

Aufgewachsen in Palermo, einer Stadt, in der sich Orient und Okzident vermischten, in einer chaotischen Kindheit erzogen von arabischen Gelehrten, fühlte sich der junge deutsche Kaiser zum Orient hingezogen. An seinem Hof lebten arabische Übersetzer antiker griechischer Schriften, ohne die die Neuerungen der Renaissance im Abendland kaum denkbar gewesen wären.

Dagegen stand ein Papsttum, das ihn als "apulisches Kind" abgetan hatte und den Einfluss der Staufer in Italien zu begrenzen suchte.

1215, bei der Kaiserkrönung in Aachen und noch einmal 1221 in Rom nahm Friedrich II. das Kreuz, wie es damals hieß. Er verpflichtete sich, einen Kreuzzug zu führen gegen die "Heiden", deren Wissenschaft und Kultur er schätzte.

Berühmt sein Briefwechsel, in dem er den Gelehrten im Morgenland Fragen stellte wie:

Warum speit der Ätna Feuer? Gibt es eine Ewigkeit?

1217 brach ein Heer unter dem Befehl des päpstlichen Legaten Pelagius nach Palästina auf. Friedrich war nicht dabei. Das Scheitern des Unternehmens wurde später ihm angelastet. Doch er hatte im eigenen Land gegen aufrührerische Sarazenen zu kämpfen. Statt sie auszulöschen siedelte er die besiegten Sarazenen um und machte sie zu Freunden. Papst Gregor IX. schrieb in einem Brief:

Verwundert und bestürzt vernahmen wir, dass du die Söhne des Verderbens, die Sarazenen nämlich, ... in Apulien angesiedelt hast! ... nicht ohne Schande für den Schöpfer und Unbill gegen den Apostolischen Stuhl!

Friedrichs allzu tolerante Politik missfiel dem Oberhirten. Immer wieder fand der Kaiser Dringenderes zu tun, als sich auf den lange versprochenen Kreuzzug zu begeben. Im Sommer 1225 schließlich erreichte der Papst feste Zusagen des Kaisers über die Größe des von ihm beizusteuernden Heeres und Abfahrtsdatum:

1.000 Ritter, 100 Transportschiffe, 50 Galeeren und 100.000 Unzen Gold für den Patriarchen von Jerusalem, und zwar bis zum 15.4.1227.

...andernfalls sollte den Kaiser der Kirchenbann treffen.
Inzwischen hatte Friedrich II. von seiner zweiten Frau den Titel "König von Jerusalem" geerbt. - Diesmal rüstete der Kaiser tatsächlich ein Kreuzzugs-Heer. Doch als die Truppen in Brindisi zusammenkamen, brach eine Seuche aus. Viele Ritter starben. Der Kaiser erkrankte und konnte nicht aufbrechen.

Papst Gregor IX. benutzte die Gelegenheit, den Streit mit dem Staufer-Kaiser eskalieren zu lassen: Er sprach den Bann aus. Und dann geschah etwas für damalige Zeiten Unerhörtes, Undenkbares:

Im Juni 1228 brach Friedrich II. dennoch auf: Ein Gebannter an der Spitze eines Kreuzzugs! Bei seiner Landung in Akkon verweigerte ihm die dortige Geistlichkeit den Friedensgruß. Die Johanniter und Tempelritter wollten nicht mit ihm zusammen reiten und folgten zunächst in der Entfernung - bis sie einsehen mussten, dass sie sich großen Risiken aussetzten. Da schlossen sie auf.

Es kam noch schlimmer: Wie sich erwies, hatte der Kaiser gar nicht vor, heidnisches Blut zu vergießen: Schon länger hatte er mit dem ägyptischen Sultan al Kamil korrespondiert - und der hatte angeboten, ihm Jerusalem zu überlassen, wenn er ihm gegen seinen Bruder, den Herrscher von Damaskus, beistehen würde. Inzwischen war dieser Bruder verschieden. Deshalb gestalteten sich die Verhandlungen langwierig - vermutlich aber für Friedrich angenehm: im gastlichen Zelt eines höchst kultivierten Orientalen, während die eigenen Leute das Kreuzeszeichen gegen ihn schlugen... Endlich war es erreicht: Am 18.März 1229 setzte sich Friedrich II. in der Grabeskirche die Krone von Jerusalem auf. Der Patriarch hatte sich geweigert, einem Gebannten diesen Dienst zu tun.

Sultan al-Kamil hatte den Christen Jerusalem überlassen - mit Ausnahme des Viertels Haram-esch-Sharif, in dem die Al-Aqsa Moschee steht. Nun aber hatten die beiden befreundeten Herrscher jeweils ihre Untertanen gegen sich. Friedrich wurde nach der Krönung, als er aus der Kirche kam, von Christen mit Unrat beworfen, weil er den Hügel, auf dem einst Salomons Palast stand, den Moslems überlassen hatte. Die Moslems beklagten ebenfalls den Verlust Heiligen Bodens. Großkadi Ibn Wasil:

Nachdem der Waffenstillstand geschlossen war, ließ der Sultan in Jerusalem den Auszug der Muslime und die Übergabe der Stadt an die Franken bekannt machen. Die Muslime verließen sie unter Geschrei, Weinen und Wehklagen. Die ganze islamische Welt war tief getroffen...

Der Kaiser erntete für diesen ersten erfolgreichen und noch dazu unblutigen Kreuzzug wenig Dankbarkeit.

© 13.12.2017