Das Mittelalter

Der Rheinische Städtebund

... nähreten sich aus dem stegreif, mordeten, wen sie konnten, verlegten und versperrten die päss und straßen und stellten denen, so ihres gewerbs halben über land ziehen mussten, wunderbarlich nach…

schreibt ein Chronist aus Worms über die Sicherheitslage auf den Handelsstraßen am Rhein um 1250.

Die Territorialherren, allen voran die Bischöfe von Köln, Mainz und Trier eignen sich Reichsgüter an. Und wählen Gegenkönige gegen die Staufer, zuletzt im Jahre 1247 den Grafen Wilhelm von Holland. Als der Stauferkönig Konrad IV. 1250 nach Süditalien zieht, um sein Reich dort zu sichern, herrscht hierzulande das Recht des Stärkeren. Fehden ersetzen die königliche Rechtsprechung.

Derhalben, weil sonst keiner hülf oder trosten gewärtig, verbanden sich nach deren Worms, Mainz und Oppenheim exempel fast in die 60 städt am Rhein gelegen, dass je eine der andern in nöthen beistand thuen sollte.

Möglich wird dieser "Rheinische Bund", weil durch den Tod des letzten Stauferkönigs Konrad IV. im Mai 1254 ein Machtvakuum entstanden ist. Die Städte rufen einen zehnjährigen "pax generalis", einen allgemeinen Frieden aus. Auf der folgenden Bundesversammlung im Herbst 1254 in Worms wird ein umfangreicher Maßnahmenkatalog zur Friedensicherung beschlossen. Die Adligen in der Region werden gehörig unter Druck gesetzt. Trotzdem treten noch im selben Jahr die Erzbischöfe von Köln und Mainz, die Bischöfe von Worms und Basel sowie etliche Adlige dem Bund bei.

Im Januar 1256 wird König Wilhelm von Holland in Friesland von aufständischen Bauern erschlagen. Jetzt versuchen die Städte erstmalig in die Reichspolitik einzugreifen. Sie fordern die für die Königswahl zuständigen Kurfürsten auf, einhellig zu wählen.

Erst ab 1489 haben die Städte so viel Gewicht, dass sie im Reichstag Stimmrecht erhalten.

© 18.08.2017