Das Mittelalter

Kaiser Ludwig der Bayer bestätigt die Privilegien

Kaiser Ludwig der Bayer bestätigt die Privilegien des Hohenzollern-Burggrafen von Nürnberg
von Klaus Kühnel

Wir, Kaiser Ludwig aus dem Hause des ruhmvollen Geschlechts derer von Wittelsbach, König der Lombarden, Herzog der Bayern etc. pp., Wir geben kund und zu wissen den Herren des Reiches, ihren Getreuen und Untertanen, dass Wir Unserem Heimlichen Sekretarius und liebstem Gefährten Friedrich von Zollern bestätigen: das Recht des Münzeschlagens, das Holz-, Jagd-, Fisch- und Weiderecht, das ausschließliche Recht der niederen und hohen Gerichtsbarkeit und das Recht des ungehinderten Schürfens nach den Schätzen der Erde in den Ländern seiner Herrschaft!

Der Schein trügt. Was wie eine besondere Huld des Kaiser klingt, wie ein warmer Regen der Gefälligkeit für einen Freund, war ein abgepresstes Zugeständnis, nur zähneknirschend ausgesprochen. Der Kaiser war auf den Burggrafen angewiesen und der Ergebenheit des Untertanen auf Leben und Tod ausgeliefert, denn zeit seiner Regierung hatte Ludwig der Bayer mächtige Feinde, die nichts anderes im Sinn hatten, als ihn vom Thron zu stoßen.

Er war in den Waffen geübt und trat jeder Gefahr kühn entgegen,

das behauptet zwar sein Vertrauter und erster Biograf Mathias von Neuenburg, räumt jedoch ein:

Aber er überlegte nicht genügend im voraus, änderte rasch seine Entschlüsse und verlor im Unglück leicht den Kopf.

Burggraf Friedrich IV. war ganz anders veranlagt. Ihn konnte nichts aus der Ruhe bringen. Hatte er sich einmal entschlossen, etwas zu tun oder zu lassen, tat er es mit an Sturheit grenzender Festigkeit. Jeder wusste: Gab dieser Mann sein Wort, konnte man darauf bauen. Das gefiel nicht nur dem Kaiser, sondern auch den Bewohnern Nürnbergs. Allerdings wohnte der hochangesehene Ritter nicht auf der noch heute berühmten Kaiserburg - die hüteten die Bürger der Stadt für den jeweiligen Herrn des Reiches. Der Hohenzollern-Burggraf hatte seinen Sitz gegenüber dem sogenannten Vestnertor und im Kriegsfall hatte er dieses Tor zu verteidigen. Als Entschädigung durfte er in zwei Dritteln aller vor dem Nürnberger Stadtgericht verhandelten Fälle Recht sprechen und erhielt die dabei fälligen Gebühren.

Des ohngeachtet hatte dem Burggrafen jeder Schmied und jeder neue Bauherr der zu Nürnberg gehörenden Lorenzstadt einen jährlichen Zins zu entrichten.

Die Hohenzollern hatten, als sie das Amt des Burggrafen übertragen bekamen, das große Los gezogen. Es war erblich und wer es innehatte, konnte damit rechnen, vom Kaiser als Verwalter eines frei gewordenen Reichslehen eingesetzt zu werden, wenn er - das war der Haken - selbst genügend Land zusammenbekam, um nicht nur einen Titel zu erhalten, sondern auch die dazu erforderliche Macht besaß.

Einheiraten oder kaufen, von anderen verpfändetes Land zu eigenem Nutz billig auslösen, fremden Grundbesitz aber stets nur im äußersten Notfall mit Waffengewalt an sich bringen und dem Kaiser erwiesene Dienste durch das Gewähren von Privilegien bezahlen lassen - das kostet ihm nichts und gibt ihm das Gefühl, ein nobler Mensch zu sein.

Nach diesem Grundsatz der Hohenzollern handelte auch Burggraf Friedrich IV. von Nürnberg. Als scheinbar treuer Vasall Ludwigs griff er 1322 mit 400 Reitern in die Schlacht von Mühldorf ein, als das Kriegsglück den gewählten Kaiser fast schon verlassen hatte und sein österreichischer Rivale zu siegen drohte. Mit Hilfe des Hohenzollern wurde der Gegenspieler des Kaisers vernichtend geschlagen. Und Burggraf Friedrich erhielt für seine beherzte Tat das neue Recht zugesprochen,

"im Fichtelgebirge nach den Schätzen des Bodens suchen zu lassen, Zinn zu gewinnen, Blei und Eisen zu fördern sowie Gold und Silber auszubeuten."

Diese Befugnis stand eigentlich nur einem Fürsten zu, einem Kurfürsten, aber solche Feinheiten im geltenden Recht übersah der Kaiser gern. Überschwänglich lobte Ludwig seinen Gefolgsmann gar als "salvator imperii", als Retter des Reiches, nannte ihn schmeichelnd seinen "Vertrauten", erhob ihn zu seinem "Sekretär" - was etwa dem Range eines Ministers entsprach. Und weil Burggraf mehr Taler besaß als der Kaiser, lieh er ihm Geld. So blieb dem Kaiser aus Bayern keine andere Wahl: Widerwillig musste er am 21. Februar 1328 alle bisherigen Privilegien seines "Geheimsekretärs" bestätigen, als der ihn darum bat. Aber er achtete ängstlich darauf, dass der Hohenzoller nicht zu mächtig wurde. Deshalb gelang auch erst seinem Nachfolger Johann das lang ersehnte Meisterstück: Er nötigte den Kaiser, ihn für die Dienste seiner Familie an Reich und Kaiser als Verwalter der Mark Brandenburg einzusetzen. Ludwig dem Bayern blieb nichts anders übrig als nach langem Hin und Her im Jahre 1345 zuzustimmen, allerdings mit der Rückversicherung:

Nicht zu erblichen Lehen wird meinem hochverdienten Gefolgsmann Johann Friedrich die Mark Brandenburg verliehen, sondern zu Verwaltung und Nutznieß.

Burggraf Johann rieb sich vergnügt die Hände: Sein Plan schien aufzugehen. Zum Greifen nahe war er seinem Ziel, Fürst zu werden. Landeshauptmann der Mark Brandenburg war er nun schon. Den letzten Schritt dahin würde er mit Leichtigkeit schaffen. Da geschah plötzlich etwas vollkommen Unerwartetes. Auf der Jagd erlitt der Kaiser einen Schlaganfall. Ludwig der Bayer war sofort tot. Mit dem Leichnam seines Gönners musste Burggraf Johann auch sein Vorhaben begraben, erblicher Kurfürst von Brandenburg zu werden. Ludwigs Nachfolger Karl IV. bestätigte ihn nicht in diesem Amt. Aber die Hohenzollern gaben ihr Vorhaben nicht auf. Erst Friedrich VI. gelang rund einhundert Jahre später, was seinen Ahnen verwehrt geblieben war: Kurfürst von Brandenburg zu werden.

© 17.10.2017